Der Wagnersaal in Rīga

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Der Wagnersaal in Rīga.

Wagnersaal – so wurde das Haus in Riga in der Zeit von 1988 bis 2007 genannt, als es in der obersten Etage als Konzertsaal betrieben wurde. Aber in Wirklichkeit verdient es dieses Haus, das seine eigene Rolle auch im Leben des großen deutschen Komponisten gehabt hat,

Richard Wagner Rigaer Opernhaus zu heißen.

Deutsche Theatertruppen hatten schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Riga, der größten Stadt an der Ostsee, gearbeitet. Eine von ihnen wurde seit 1768 vom Händler und Kunstmäzen Baron Otto Hermann von Vietinghoff gefördert, der im Jahre 1782 das erste ständige Rigaer Stadt-Theater errichtete. Dieses Haus wurde im Stil des Klassizismus zwischen der damaligen Stadtmauer (Wallstraße) und der jetzigen Richard Wagner-Straße gebaut und steht immer noch im Zentrum der Stadt: Richard Wagner-Straße 4.

Fast ein Jahrhundert war dieses Theater, das Schauspiel-, Opern- und Ballett-Truppen hatte, Zentrum des kulturellen Lebens Rigas. Bereits in den ersten Jahrzehnten des Bestehens entsprach das Repertoire jenem der besten deutschen und europäischen Theater. Viele europäische Virtuosen haben hier Konzerte gegeben. Ein echtes Aufblühen der Opernkunst begann nach der Renovierung des Theaters in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts, als hier von 1837 bis 1839 der junge Richard Wagner als Dirigent arbeitete. Er selbst studierte in Riga fünf verschiedene Opern ein, und er dirigierte rund 20 Opernaufführungen von W. A. Mozart, C. M. von Weber, L. van Beethoven, G. Rossini, F. Auber und anderen Komponisten. Wagner dirigierte auch symphonische Konzerte, vor allem Symphonien von L. van Beethoven. Der fünfundzwanzigjährige Wagner selbst entwickelte sich in Riga schnell zu einem großen Künstler, komponierte seine erste große Oper "Rienzi", beobachtete hier alte folkloristische Bräuche der Menschen und bekam Impulse, sich auf mythologische Themen zu konzentrieren.

Kulturhistorisch wichtig ist es auch, dass die Besonderheiten des Saals im Rigaer Stadttheater Wagner, wie er einmal selbst gestand, später beim Theaterbau in Bayreuth inspiriert haben. Diese Besonderheiten waren: Anstieg des Parketts in Form eines Amphitheaters, Abdunkelung im Saal während der Vorstellungen und der Orchestergraben. Dies alles waren Neuigkeiten in damaligen Opernhäusern.

Im Jahre 1863 zog die Theatertruppe in das neu errichtete größere Haus ein. Das alte Gebäude wurde genutzt als Lager, Bibliothek und für andere Zwecke. Der ehemalige Theatersaal wurde mehrmals umgebaut. Viel später, im Jahre 1988, wurde die obere Etage des Gebäudes restauriert, wo sich bis zum Zweiten Weltkrieg die deutsche Gesellschaft "Musse" befand. Der ehemalige Ballsaal wurde für Kammermusikkonzerte genutzt. Mit der Verschlechterung des technischen Zustands der Gebäude wurde das Konzertleben allerdings ab 2007 gestoppt. Bis heute sind die Gebäude leer und verlassen.

Die Staatliche Aktiengesellschaft, unter deren Verwaltung die Gebäude seit 2006 stehen, hatte in den Jahren 2011 und 2012 Untersuchungen des technischen Zustands vorgenommen. Es zeigte sich wieder, wie wertvolle Innendekorationen und architektonisches Details die Gebäude haben, aber auch, wie unbefriedigend der Zustand des Gebäudefundamentes ist. Die nach der Untersuchung empfohlene Stärkung des Fundaments wurde nicht durchgeführt. Auch in der näheren Zukunft sind die Aussichten hierfür nicht sehr positiv. Denn die öffentlichen Finanzmittel sind generell sehr begrenzt, und es gibt zudem Aufgaben wie die Wiederherstellung des im Jahr 2013 bei einem Großbrand schwer beschädigten Präsidentenpalastes und andere dringende Restaurierungsarbeiten.

175 Jahre nach dem Ende der Rigaer Periode Richard Wagners und dessen Fortgang nach Paris haben wir deshalb im Jahr 2014 die

Stiftung Renovierung Richard Wagner-Theater Riga

gegründet. Wir wollen damit das öffentliche Bewusstsein stärken, dass Riga eine der Wirkungsstätten Richard Wagners war, das Interesse für das Kulturerbe der Theatergebäude pflegen und fördern, eine Vision für die zukünftigen Rolle der renovierte Gebäude entwickeln und finanzielle Unterstützung suchen, in erster Linie für die Erneuerung des Gebäudefundaments und danach für die Wiedergeburt des ganzen Gebäudes.

Wir sind sicher, dass mit der Wiederherstellung des ehemaligen Stadttheaters ein wichtiges Objekt des Kulturtourismus entstehen wird, ebenso auch eine Theaterbühne für dramatische und kleinere musikalischen Formen, ein zeitgenössisches Theater, das einst mit vielen spezifischen Lösungen das Bayreuther Wagner-Festspielhaus inspiriert hat.

Das Gebäude mit etwa 4500 Quadratmetern Gesamtfläche erlaubt es auch, hier eine Ausstellung über die Musikgeschichte Rigas und zur Erinnerung an Richard Wagner sowie Räume für ein Kulturzentrum und Unterhaltungsveranstaltungen einzurichten.

Indem das Theatergebäude, in dem Richard Wagner seine Jugendzeit verbracht hat, zum Zentrum der Kultur und des Kulturtourismus gemacht wird, wird auch das Bewusstsein der lettischen Gesellschaft für das kulturelle Erbe Europas gefördert. Gleichzeitig werden auch die Vorstellungen der Rigaer, vieler Minderheiten und der Gäste aus aller Welt über die historische Zugehörigkeit von Riga zum europäischen Kulturraum gestärkt und erweitert werden.

Juli 2014 Stiftung Renovierung Richard Wagner-Theater Riga

 


Ergebnisse der Untersuchungen zum Gebäude-Zustand: Die Untersuchungsergebnisse zum Zustand des Gebäudes zeigen unter anderem, das während der langen Zeit seines Bestehens im Fundament Stabilitätsprobleme entstanden sind und zu Rissen in relativ weiten Bereichen der Wände geführt haben. Wenn nichts getan wird im Aufbau der Fundament-Bewehrung, kann sich diese Deformation fortsetzen. (R. Wagner-Straße 4. Bau- und Geotechnik Forschungsunternehmen "Hanza Projekts" Stellungnahme im Jahr 2011, S. 49)

In einem unbefriedigenden und schlechten Zustand befindliche Gebäudestrukturen sollten ganz oder teilweise saniert oder ausgetauscht werden. Die Fundament-Bewehrung sollte mit Materialien entsprechend dieser Studie aufgebaut werden. Zur bevorzugten Methode für Verstärkungsverfahren könnte die Verwendung der Verpresspfahl-Bohrungs-Technik gehören.(Erhebungsakt 2012, S. 15)

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